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WikiLeaks Doku vom schwedischen Fernsehen

http://svtplay.se/v/2264028/wikirebels_the_documentary

Das ist dann wohl das Gegenteil von Embedded Journalism. Krieg wird an der Heimatfront gewonnen und mit Information, nicht mit Kugeln. Kein Wunder, dass die Reaktionen des Militärs so geschockt sind, sie verlieren gerade aufgrund ihrer eigenen Kriegsverbrechen. Immerhin zeigt es, dass der Irakkrieg mit den gleichen Mitteln geführt wird wie der Vietnamkrieg. Auf der Heimatfront wird dann die Pressefreiheit mit Todesdrohungen verhindert.

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Weitere Anmerkungen zu Militärwerbung

Auffällig, aber nicht überraschend, ist die Abwesenheit jeglicher Kämpfe in den Videos. Eine Ausnahme sehen wir bei der Nordic Battle Group (Video im alten Beitrag unter weiterlesen). Andererseits haben die Schweden dann aber auch das klinisch sauberste Video für ihr Heer, das nur Sonntagssoldaten zeigt. Die Schweden machen Friedenseinsätze und die Nordic Battle Group geht dahin, wo andere nicht einfach Silvester feiern dürfen und zeigt den Taliban, wie harmlos Feuerwerk ist, wenn man dabei nicht Freudenschüsse in die Luft abgibt und so die Hochzeitsfeier ruiniert oder wie man Aggressionen mit Nordic Walking sublimieren kann. Dann klappt es auch mit der Geschlechtergleichberechtigung.

Bei den Schweden sitzt die Frau ohnehin gleich im Panzer, das muss man im Video nicht selbst kommentieren, die Amerikaner (Marines) lassen eine Frau durch den Geländepark robben. Da machen sich Frauen genauso schmutzig, wie die Männer, bei der Bundeswehr kontrollieren sie gleich das Bomberpotential (das, weil wir konstitutionell nie Angriffskriege führen, dann doch nur durch die Amerikaner in eine Reduktion von Tanklastern überführt wird). Bei der US Army sind Frauen auffällig selten, weil eben noch Afroamerikaner als hochrangig porträtiert werden müssen (immerhin wird hier auf der Ebene der Propaganda vorgespiegelt die falsche Hautfarbe wäre kein Grund als Kanonenfutter eingesetzt zu werden). Trotzdem treten Frauen in Erscheinung, in unterschiedlichsten Rollen. Lassen wir die Amerikaner also mit ihren Kriegsvideos und den Geschlechterrollen in Frieden. Widmen wir uns lieber noch einmal konzentriert den Österreichern.

Es gibt da offenbar die offizielle, „feministische“, in den Feuilletons vertretene Meinung: Der Spot ist sexistisch. Und dann gibt es die leidige Webzwonullige Dialogfeedbackschleife, die da sagt: Nee, alles harmlos, alles nur Kampflesben, die da schreien und super gute und wirksame Werbung. Was für eine demokratische Meinungspluralität.

Da sind also auf der einen Seite, die meinen, dass das Video harmlos sein, weil die Frauen den Macho mit dem Sportflitzer abblitzen lassen und die Soldaten eben keine Machos seien. Gut, beide Argumente kann man soweit erstmal stehen lassen. Sicherlich wirken die Soldaten eher wie sprachunfähige Trottel denn wie Machos. Auch das Herumstreichen an Kanonenrohren sei hier vergeben, ebenso das angeberische Vorfahren mit dem Panzer als Konfrontation. Aber auch dann bleibt die Parallele der Ansprache: Wie wär’s mit einer Spritztour? Letztendlich wollen sie doch alle nur das Eine. Wenn ihr eine Spritztour machen wollt, dann kommt zum Bundesheer, da könnt ihr Panzer fahren. Was Freud zu dieser Art der Werbung für Haupt- und Staatsakte sagen würde muss wohl nicht ausgeführt werden. Hier steigt wohl Ödipus vom Panzer anstelle des Rosses.

Nun wird hier über Sexismus geredet und immer aus Männerperspektive 8ohnehin, die Artikel sind es ja auch). Was machen denn bitteschön die Frauen im Video? Sie schmiegen sich als Pin-up Girls an den Sportwagen, gehen mit Pferdestärken auf Tuchfühlung. Das gilt natürlich auch für das deutlich nahe Verhältnis zu unserem Türstehermacho in ihrer Mitte, an den sie sich heranschmiegen (und der breitbeinig sitzend die Arme um sie legen darf). In einem auffälligen Stilbruch behaupten sie dann unisono, dass eine Spritztour nicht in Frage käme. Immerhin, wer Sportwagen fährt ist neuerdings monogam. Nun sind sie aber nicht generell abgeneigt sich zu einer Spritztour beegen zu lassen, so denn der richtige kommt. Das ist bekannter Weise in diesem Fall der Panzer. Der hat nicht nur mehr Pferdestärken, sondern auch das größere Rohr. Ob sie dem Panzer oder den wenig überzeugend wirkenden Soldaten hinterher wackeln bleibt ungeklärt. Aber letztendlich ohnehin nur eine Frage, ob hier der sexuelle Wunsch auf eine Objektlibido übertragen wird. Es wirkt dann unwahrscheinlich, dass aus den Damen mit dem zweifelhaften Outfit plötzlich knallharte Mörder werden (seit Tucholsky wissen wir: Soldaten sind Mörder). Man wünscht ihnen vielleicht trotz allem, dass sie den Panzer nicht selbst fahren wollen und fragt sich, ob sie mit dem Macho nicht besser dran gewesen wären, als mit einer Verpflichtung zu Gasmaske und Scharfschützengewehr. Wenn sie also nicht in das Bundesheer eintreten wollen, also nicht vom Stöckelschuh als Objekt der Libido zum Panzer wechseln wollen, dann sind es möglicherweise doch die Jünglinge mit der unsicheren Sprache, die es ihnen angetan haben? Dabei haben die doch eine Einladung ausgesprochen und sind gleich wieder abgerauscht, ohne mit Kavaliermanier den Damen auf das Gefährt zu helfen. Spritztour mit Panzer bleibt eine Illusion.

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We want you for Bundesheer

Zum Video gibt es in diesem Post ein Transkript und eine kurze Kommentierung sowie verschiedene andere Armeewerbevideos als Vergleich.

Als Einleitung lernen wir, dass das Bundesheer äquivalent cool und ungefährlich ist, wie der iPod. Völkerrechtsverletzungen mit Gasgranaten aus dem 1. Weltkrieg werden also hier zum neusten Hip-Hop Lied.

Dann lernen wir eine Zielgruppe kennen, die auch von den gewählten „Schauspielern“ (offensichtlich ahnungslose Amateure) repräsentiert wird. Die Armee will sich also aus Personen ab 18 bis etwa Mitte 20 rekrutieren. Ob es einem nicht eher Angst macht, dass solche Milchbuben mit Panzerkanonen hantieren sollen, wird nicht reflektiert. Dafür ist aber der Panzer cooler als der Audi Sportwagen. Aber zurück zur Zielgruppe. Hier handelt es sich offenbar um Personen aus einer unteren Gesellschaftsschicht, schätzungsweise Konsummaterialisten (Beschreibung siehe Grafik unten). Dafür spricht wie Auto und Kleidung in Szene gesetzt werden.

Das dargestellte Verhältnis Mann-Frau ist zum Schreien. Immerhin wird hier mit Zuhälterähnlichen Bildmotiven gearbeitet, die dann anschließend auf die Soldaten übertragen werden. Das geschieht schon allein durch die Gleichsetzung der verbalen Ebene, wenn der Soldat die Mädels genauso zu einer Spritztour einlädt wie der Mann mit seinem Sportwagen. Und überhaupt, wenn die Ablehnung der Einladung damit begründet wird, dass in dem Zweisitzer kein Platz für die vier Frauen sei – wie sollen sie dann bitte in den Panzer passen? Ausschnitte auf das Dekolleté, Kleidungsstil (weiße Stiefel verbindet man als Hamburger mit Prostituierten) und das dem Panzer hinterherwackeln die Position und die Armhaltung des Mannes auf dem Auto tun ihr übriges.

Die Produktion ist unglaublich unprofessionell. Das gilt für die Szenen und mögliche Wiederholungen wie für die Kameraführung. Es sind Spuren da, wo noch keine sein sollten, Personen haben in Nahaufnahmen die Augen geschlossen, es war offenbar nicht möglich unbeteiligte Personen aus dem Hintergrund zu entfernen, etc. Der Ort ist wohl ein Kasernengelände, zumindest trägt er nicht zur Bildung eines Images positiv bei, eher wirkt er abgewrackt.

Die Dialoge – so man denn überhaupt davon sprechen will – sind platt. Schließt man daraus und aus der mangelnden Betonung auf die Intelligenz der Beteiligten, so muss man zum Schluß kommen, die porträtierten Personen seien unterbelichtet. Da dies wohl kaum im Sinne des Urhebers ist kann erneut nur von einer misslungenen Produktion ausgegangen werden.

Irgendwer hat wohl gedacht nach dem viralen Erfolg des ukrainischen Videos mit demselben Skript würde dies auch für Österreich funktionieren. Leider wirken die in der ukrainischen Werbung deutlich überzeichneteren Charaktere lustig, was aber für Österreich abgeschwächt wurde und dann nur noch fade und lächerlich daherkommt. Aller Witz und Ironie gehen dem Video ab. Dadurch, dass der Sexismus nur noch unterschwellig daher kommt wirkt er eher gewollt und nicht ironisiert. Sicher, das Video wird wohl ein viraler Erfolg, aber dann wohl zum Fremdschämen und Lachen, nicht als Anreiz zum Eintreten in die Armee. Gleichzeitig gilt aber auch: Würde jemanden dieser Spot begeistern, würde man ihn (dem Spot nach nicht sie) dann überhaupt haben wollen? Als Erfolgreich kann man den Spot wohl nur dann ansehen, wenn man davon ausgeht, dass es negative Werbung nicht gibt, und dass darüber Reden immer ein Erfolg ist. In diesem Sinne: Halten wir uns weiter den Bauch, auch wenn wir nicht sicher sind, ob es vom Lachen oder Übelkeit herrührt.

Der Protest (Sexismusvorwurf) hat immerhin dafür gesorgt, dass das Video aus dem Fernsehen abgesetzt wurde, aus dem Netz wird es nicht so schnell zu löschen sein. „Die Marketingabteilung des Bundesheeres verteidigt den Spot folgendermaßen: ‚Unser Clip ist so deppert, dass er schon wieder genial ist.‘ Die Akteure in dem Video sind ein Diskothekentürsteher und vier Hotelfachschülerinnen.“ (Quelle) Der Spot war also geklaut, mies umgesetzt und einem offiziellen Wertekanon nicht angemessen. Nur: Bei der Gruppe der 14-18 Jährigen als Zielgruppe und denjeniegen, denen Emanzipation nicht als wichtiger Wert erscheint kommt er wohl an (siehe Kommentare): „Man stelle sich mal vor, wieviele sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hätten, wenn die Werbung mit Dirlewanger und Bandenkampf geführt worden wäre….. Niemand hätte sich gemeldet, statt dessen dachte jeder er könne Hoch zu Roß in schwarzer Uniform den Mädels im Heimatdorf imponieren.
Der Werbefilm ist auch militärischer Sicht sehr gut und spricht auch die richtigen Kerle an. Der/ die Ritter in Rüstung kommen aus dem Nebel und retten die Prinzessin aus den Klauen des Bösewichts, nur eben heute mit modernen Mitteln aufgepeppt.
Kritik kommt ausschließlich aus der pazifistischen FEMI-ecke. Würde das österreichische Heer die Wahrheit bewerben (von Autobomben zerfetzte NATO-Söldner), dann würde von den heutigen feminisierten jungen Männern keiner auch nur den Gedanken an einen Wehrdienst verschwenden.“

Auch auf Bild.de ist man der Meinung: Kopie, Schlecht, Sexistisch. Andsers die Leser: Nicht sexistisch, witzig, gut gelungen, wirbt für Frauen als Panzerfahrer. „Die Kernaussage des Spots könnte man so zusammenfassen: Mädchen und Frauen können durch den Dienst in der österreichischen Armee die gesellschaftliche Minderbewertung der Frau überwinden.“ Da kann man mal sehen, der Sexismus wird abgewickelt (der Türsteher blitzt ab), die Soldaten sind gar nicht die Ritter und die Mädchen keine Prinzessinen, die vor dem Türsteher-Drachen gerettet werden sollen – Nein! Sie sind nur an einem handfesten Job (Spritztour in Kanonenrohrgröße) interessiert. Alles vollständig PC. Die Panzerfahrerin mit dem liebevoll als „Fick mich Stiefeln“ bezeichneten Schuhwerk, das ist die Wahre Gleichberechtigung. Jetzt wissen wir es endlich.

Übrigens hat sich auch die Tagesschau mit dem Fehltritt auseinandergesetzt. Diese urteilt, dass Soldatinnen gleich als „Kameraden“ behandelt würden (was dann wohl positiv ist, weil eben gleich, also als Mann) und real nicht als Groupies den Panzern hinterher rennen würden, sondern sie selbst fahren.

Der Werbeblogger ist übrigens auch der Meinung: Sexismus wäre nicht enthalten. Schließlich würde es ja darum gehen Frauen zu werben, und wer behaupte die würden nicht gerne dicke Dinger fahren würde nur die Umkehrung eines Klischees wieder reproduzieren (Ergo: Bitte fahrt alle sexistisch aufgeladene Autos?). Außerdem seien die Soldaten gar nicht so macho, sondern der Macho würde eben abblitzen. Mh, da hat der Werbeblogger wohl sehr unaufmerksam geschaut, weil all die kleinen Sexanspielungen im Video dann wohl übersehen wurden…

Übrigens – als Medien-Meta-Kommentar darf folgender Satz nicht fehlen, da er in allen Artikeln enthalten ist: „Dieser Schuss ging eher nach hinten los…“

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Moderne Kriege

Kriege töten drei Mal so viele Menschen wie gedacht

In den letzten 50 Jahren sind in Kriegen drei Mal so viel Menschen gestorben wie bislang angenommen. Das haben Wissenschaftler in einer neuen Studie belegen können. Ihre Zahlen widerlegen auch die Vorstellung vom „sauberen High-Tech-Krieg“, der Zivilisten schone.

Quelle (Spiegel.de)

Man sieht: So viel zu modernen Präzisionswaffen.

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