Archiv der Kategorie: Bachelor

Trend- und Zukunftsforschung: Horx vs. Düllo

Mittlerweile habe ich Trendforschungssitzungen bei zwei Dozenzen gehabt. Einmal ein Wochenende bei Matthias Horx vom Zukunftsinstitut an der Zeppelin University und einmal bei Thomas Düllo an der Uni Magdeburg. Horx war bei seiner Präsentation und bei seinen Folien hervorragend. Falls ich irgendwann noch einmal ein Seminar bei ihm haben sollte würde ich mir Inhalt wüschen. Wir haben bei Horx vor allem selbst Trends über Trendkaraoke und Recherche erarbeitet. Echte Methoden oder Herangehensweisen haben wir leider nicht gelernt. Lediglich der Grundsatz, dass Inszenierung fundamental für die Umsetzung ist, den haben wir alle verstanden. Insofern mag Horx mehr Auswirkungen haben – was kaum wundert, er ist Praktiker. Düllo als Dozent war inspirierender. Er hatte keine Berufsgeheimnisse zu verstecken, konnte auch eigene aktuelle Analysen vortragen und hat uns ähnlich Horx Trendkaraoke machen lassen. Mit Printmedien unterschiedlichster Richtungen haben wir beim Ehemaligentreffen von Cultural Engineering Analysen einiger weniger Seiten gemacht und daraufhin einen Trend vorgestellt. Die Ergebnisse erschienen mir begründeter als die bei Horx entstandenen. Einer war beispielsweise die Normalisierung von abweichendem Verhalten im Harmoniemilieu (Yellow Press taugt doch zu etwas), eine andere die Ästhetisierung von Körpervogängen und -zonen, die vorher nicht Gesprächsstoff waren. Bestes aktuelles Beispiel ist das Buch Feuchtgebiete von Charlotte Roche. Bei Horx haben wir stattdessen vor allem aktuelle Sprache von Trendforschern gelernt (was sind aktuelle Trends) und sind in der Folge wohl auch zu dicht daran geblieben, was schade war.

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Nimmerland Rede

23.4.2006, Magdeburg, Forum Gestaltung, Projekt des KanTe e.V.
(es gilt das gesprochene Wort)

Gibt es so etwas wie den Geschmack der Kindheit? Den Geruch? Das Gefühl?

Wann habt ihr das letzte Mal das Gefühl gehabt wirklich Zeit zu haben? Frei? Und das Gefühl, dass eine Woche sehr lange dauert und ein Jahr eine Ewigkeit, wie lange ist das her? Solche Art von Freiheit ist charakteristisch für das Lebensgefühl während der Kindheit.
Kindheit positiv gesehen, das sind neben Spielen: Emotionalität, Freiheit, Unbeschwertheit, Erlebnis, Nicht-festgelegt sein, das Neue und unendliche Möglichkeiten.
Kinder haben eine eigene Weltsicht, eigene Vorstellungen. Ein gutes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach das Buch „Petruschkas Lackschuhe“: Rote Beete abgießen. Jetzt sind sie tot, jetzt esse ich die nicht mehr.
Es ist irgendwie spannend, anziehend und irgendwie auch sexy Kind zu sein und das insbesondere für unsere Generation. Junge Studentinnen tragen Hello Kitty Taschen, Kirschen auf T Shirts, Ohrringen und Schuhen sieht man auf jeder Indie Party. Männer können sich nicht von Spielekonsolen mit Mario-Kart und Co. trennen. Bei ihnen äußert sich Kindlichkeit eher in handwerklicher Richtung: Autos, Autorennbahnen, Modelleisenbahnen und so weiter.
Die Band Jet singt: „Can you please give me one more childhood?” Bei Adam Green heißt es “i had a midchildhood crisis“. Die Midlife Crisis wird abgelöst oder bekommt zumindest einen Vorläufer.

Wie lässt sich dieses Verhalten verstehen? Woher kommt es? Was macht es mit uns? Was machen wir damit?

Im Grund lässt sich das zweigeteilt sehen: Freies Denken mit der Offenheit eines kindlichen Geistes – dafür steht Einstein – oder Flucht vor Verantwortung- dafür steht der Typ Viva-Moderatorin. Eigenständigkeit und Verantwortung einerseits – Kindheit andererseits – geht diese Gleichung auf?

Über Symbole wie Hello Kitty Taschen und das Spielen von Autorennen lassen sich zwei Einstellungen parallel ausdrücken. Die Substanz dahinter ist nicht eindeutig. Wenn die Verwendung von Kindheits- und Jugendmuster in der Erwachsenenwelt reflektiert wird, dann kann es gut sein, dass sich dahinter geistige Offenheit verbirgt. Genauso kann es sich aber um Konsum handeln. Konsum, der ausdrückt, dass man nicht erwachsen werden will. Das ist der Versuch sich der Verantwortung des Erwachsenwerdens zu entziehen. Lieber richtet man sich im behüteten, bekannten Kinderzimmer ein, als mit wachen Augen und großen Schritten die unbekannten und für einen selbst unerforschten Gefilde der Erwachsenenwelt konstruktiv und reflexiv zu erkunden und für sich in Anspruch zu nehmen. Aber was spricht dagegen einen mit Teddy und Modelleisenbahn gepackten Koffer mit auf diese Reise zu nehmen? Und hier schlagen wir die Brücke zwischen Kindheit und Erwachsensein.

Kindheit und Jugendausdruck zu nutzen kann helfen, sich den stetig komplexer werdenden Anforderungen des modernen Lebens zu stellen. Kindheitsräume schaffen Entlastungsmomente indem sie ein Forum kreieren, das frei von gesellschaftlich institutionalisierten Erwartungen ist.

Kindheitserinnerungen haben das Potential der Kit zwischen fragmentierten Identitätsteilen zu sein. Erst wenn ich verstehe, wer ich war, kann ich sagen wer ich bin und werden möchte. Wir besitzen ein gewaltiges Repertoire an Erfahrungen. Festmachen können wir diese Erfahrungen beispielsweise an den Geschichten, die wir mit Biene Maja oder der Carrera Bahn verbinden. Daran anknüpfend lassen sich gerichtete Entwicklungslinien für die Zukunft entwerfen. Sie ermöglichen eine reflektierte Entwicklung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Vorbild des starken Mädchens aus Pippi Langstrumpf ist durchaus bei vielen jungen Frauen präsent geblieben und bildet eine Orientierungslinie für zukünftige Frauenrollen.

Solche Erinnerungen prägen im Idealfall positive Muster, wie wir mit Freiheit, Selbstständigkeit und Neuem umgehen. Sie können uns Vorbild sein eine Gemeinschaft zu knüpfen, wie in Disneys Gummibärenbande. Genauso können Erinnerungen aber belasten, zu viel sein.

Man sollte Aufpassen, dass man sich nicht wie die Raupe Nimmersatt voll frisst. Der ist es nicht gut bekommen von allem immer mehr zu essen. Man sollte wissen, wann es genug ist. Das Phänomen darf eben kein auf Dauer gestelltes Zurückholen der Kindheit sein, sondern ein Erinnern, ein wieder-holen und neu verwenden, in den aktuellen Lebenskontext produktives Einbetten. Dann wird aus dem Nimmerland keine unendliche Geschichte, die vergessen hervorruft, sondern eine, die immer weiter gesponnen wird und fortgeführt.
Erich Kästner hat einmal gesagt: „Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, bleibt ein Mensch.“ Oder anders: „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso.“

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Sie ist weg.

Meine Bachelorarbeit ist abgegeben. Ab in die Post, schreib mal wieder. Haha, 2 gebundene Exemplare. Schöne schwarze Einbände. Abgabedatum 3.01.2007. Juhu! It’s gone. Jetzt nur noch die Verteidigung und fertig ists. Danach ab nach Friedrichshafen. Noch mal von vorne mit dem Studieren.

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The books you read

Schade, dass ich so etwa 10 Bücher schon wieder abgeben musste. Und die Textauszüge aus dem Studium wollte ich auch nicht aus den Ordnern rupfen. Ich glaube man bekommt aber einen Eindruck…

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Wirr

Irgendwie fällt mir bei Wirr immer Kalle Wirsch ein. Der kleine König. Wahrscheinlich sind Kinderbuchfiguren, die einem auf einmal im Kopf herumspuken ein deutliches Anzeichen beginnender geistiger Verwirrung. Jedenfalls in meinem aktuellen Fall. Neues, Altes, Interpretationsgemeinschaften, Kaffee kochen, Lebensläufe der Mitbewohnerin scannen, Umdeutungen, Open Innovation, Literaturverzeichnis überarbeiten, einen Punkt aus dem Inhaltsverzeichnis kürzen, an der nächsten Seite schreiben, Bücher wegen Mahnungen zur Bib zurückbringen, soziales Kapital, Habitus, Akteure, Prosumenten, Konsumenten, Nutzungspraktiken, Grenzen, Hybride, Eigenes, Fremdes, Inklusion, Exklusion, Zentrum, Peripherie. Wir befinden uns auf Seite 22. Das Unternehmen dringt in Bereiche vor, die ich noch nicht geschrieben habe. Oder so ähnlich. Nachtrag ins Logbuch eines nun nicht mehr kranken. 2 Wochen 40 Fieber, 2 Wochen, die fehlen. Schneller schreiben, mehr lesen. Mehr verarbeiten, Memory overflow. Grenzen der Kapazitäten. Und dann kommt die Tante vorbei um Duschgel zum Nikolaus zu verschenken. Wo war ich beim Schreiben stehen geblieben?

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Eingeordnet unter Bachelor, Kulturwissenschaft

Ein Zeppelin von hinten

Auswahltage „Pioneers wanted“ bei der Zeppelin University. Teilnahmegebühr 90 Euro. Damit man sich bewerben darf? Irgendwie dachte ich immer die Firma würde z.B. die Fahrtkosten zum Bewerbungsgespräch übernehmen. Privatunis sehen das anders. Hürden aufbauen. Gut, dafür bekommt man dann eines der besten Hotels am Platz (Bodenseeregion!), Taxifahrten von A nach B, Essensgelage und nette Unterhaltung geboten. Nette Unterhaltung kann nervtötend sein, wenn man krank ist. Jedenfalls waren Bewerber für alle Studiengänge und sowohl B A als auch M A gemeinsam eingeladen worden. 3 Masterbewerber. Was für ein Andrang bei drei Masterstudiengängen. Bachelors welcome scheint ohne Bachelors noch kein Thema zu sein. Die Auswahl bestand bei mir dann aus zwei Gesprächen und einer Fallstudie. Die Bachelors mussten mehr machen. Da ich vom Sozialleben nichts hatte und die Auswahl auch nicht gerade überfordernd war (keine Ahnung, ob sie mich nehmen), hatte ich insgesamt das Gefühl für nichts da gewesen zu sein.

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Innovation in Gemeinschaft

Hier eine Zusammenfassung meiner Argumentation für die Bachelorarbeit. Für alle, die immer wieder fragen, worüber ich schreibe. Da ich mich in einer Arbeitsphase befinde sind Anregungen und Ideen sowie Kritik willkommen.

Kulturelle Motive, Rahmen und Hintergründe von Innovationen durch Endverbraucher

Die innovativen Aktivitäten von Endkunden verstehen und durch die Führung von Kunden-Netzwerken wertschöpfend nutzen.

Unternehmen öffnen sich zunehmend nach außen. Das mentale Modell des geschlossenen Unternehmens, das alles unter einem Dach zusammenbringt, befindet sich im Wandel. Outsourcing, Supply Chains und Stakeholderdialoge sind Anzeichen dafür. Im Rahmen dieses Prozesses werden Kunden verstärkt in die Produktinnovation einbezogen. Dabei geht die Art der Kundenintegration weit über Bedürfnisabfrage hinaus. Mehr und mehr erkennen Unternehmen, dass Kunden einen wichtigen Beitrag zur Innovationsfähigkeit eines Unternehmens leisten können. Angesichts von Flopraten zwischen vierzig und achtzig Prozent bei Produktneueinführungen ist das Versprechen einer höheren Marktakzeptanz der Schlüsselanreiz. Und das obwohl Managementprozesse verkompliziert werden und somit zusätzliche Kosten entstehen.
Im Investitionsgüterbereich ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden bereits als Erfolgsfaktor akzeptiert. Trotzdem will es nicht recht gelingen ähnliche Mechanismen im B-2-C Bereich aufzubauen. Gängige Gegenargumente sind die Unfähigkeit der Verbraucher ihre Bedürfnisse explizit zu artikulieren, ihre allenfalls lineare Extrapolationsfähigkeit und ihre mangelnde Kenntnis der Technologien. Ungeachtet der starken Vorbehalte auf Seiten vieler Unternehmen wird aber auch hier der Kunde schon erfolgreich mit einbezogen, wie das Beispiel LEGO beweist. Die Beispiele dafür nehmen rasant zu.
Eine Barriere stellt das verbreitete Verständnis des Konsumenten als reinen Verbraucher dar. Legt man allerdings eine andere Betrachtungsweise zugrunde, dann wird schnell offensichtlich, dass der Verbraucher nicht passiv ist, sondern viel eher ein Prosument (Produzent und Konsument vereint). Das Aufkommen von Brand Communities, der Open Source Bewegung mit ihrer Hacker Culture und einer veränderten Arbeitsethik, der Do-it-yourself-Industrie und Crowdsourcing sowie massenhafter Produktumnutzung zeigen Potenziale auf. Der Konsument wird von sich aus aktiv. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Nutzungsprozess und den Handlungspraxen zu. Die Konsumenten sind nicht die einzigen, die eine Rolle spielen, vielmehr ist der Prozess in einem Netzwerk aus Akteuren und Aktanden eingebettet. Die Eigenschaften eines Produktes werden relevant.
Die Arbeit untersucht, was Kunden dazu motiviert ihr Wissen anderen frei zur Verfügung zu stellen. Zudem interessiert die Frage, unter welchen Rahmenbedingungen es wahrscheinlich wird, dass Prosumenten wertschöpfend aktiv werden. Schließlich werden gesellschaftliche Veränderungen berücksichtigt, die diesen Trend begründen und die es zu verstehen gilt, um ihn nutzbringend zu managen. Dabei werden die unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema vereint und Begriffe re-formuliert, denn ohne Begriffe bleibt jeder Blick unscharf. Aus dieser Menge von Sichtweisen und Ansätzen werden Folgerungen abgeleitet, wie diese (neue) Art der Kundenaktivitäten in das Unternehmen eingebunden werden können. Hier geht es um Vorteile, förderliche und hemmende Faktoren, aber auch mögliche Probleme und Gefahren, die es zu berücksichtigen gilt.
Ziel ist es angesichts einer trendigen Entwicklung die Potenziale auszuloten, sie zu bewerten und darauf beruhend Möglichkeiten zur Handhabung zu entwickeln.

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Eingeordnet unter Bachelor, Innovation, Kulturwissenschaft