We want you for Bundesheer

Zum Video gibt es in diesem Post ein Transkript und eine kurze Kommentierung sowie verschiedene andere Armeewerbevideos als Vergleich.

Als Einleitung lernen wir, dass das Bundesheer äquivalent cool und ungefährlich ist, wie der iPod. Völkerrechtsverletzungen mit Gasgranaten aus dem 1. Weltkrieg werden also hier zum neusten Hip-Hop Lied.

Dann lernen wir eine Zielgruppe kennen, die auch von den gewählten „Schauspielern“ (offensichtlich ahnungslose Amateure) repräsentiert wird. Die Armee will sich also aus Personen ab 18 bis etwa Mitte 20 rekrutieren. Ob es einem nicht eher Angst macht, dass solche Milchbuben mit Panzerkanonen hantieren sollen, wird nicht reflektiert. Dafür ist aber der Panzer cooler als der Audi Sportwagen. Aber zurück zur Zielgruppe. Hier handelt es sich offenbar um Personen aus einer unteren Gesellschaftsschicht, schätzungsweise Konsummaterialisten (Beschreibung siehe Grafik unten). Dafür spricht wie Auto und Kleidung in Szene gesetzt werden.

Das dargestellte Verhältnis Mann-Frau ist zum Schreien. Immerhin wird hier mit Zuhälterähnlichen Bildmotiven gearbeitet, die dann anschließend auf die Soldaten übertragen werden. Das geschieht schon allein durch die Gleichsetzung der verbalen Ebene, wenn der Soldat die Mädels genauso zu einer Spritztour einlädt wie der Mann mit seinem Sportwagen. Und überhaupt, wenn die Ablehnung der Einladung damit begründet wird, dass in dem Zweisitzer kein Platz für die vier Frauen sei – wie sollen sie dann bitte in den Panzer passen? Ausschnitte auf das Dekolleté, Kleidungsstil (weiße Stiefel verbindet man als Hamburger mit Prostituierten) und das dem Panzer hinterherwackeln die Position und die Armhaltung des Mannes auf dem Auto tun ihr übriges.

Die Produktion ist unglaublich unprofessionell. Das gilt für die Szenen und mögliche Wiederholungen wie für die Kameraführung. Es sind Spuren da, wo noch keine sein sollten, Personen haben in Nahaufnahmen die Augen geschlossen, es war offenbar nicht möglich unbeteiligte Personen aus dem Hintergrund zu entfernen, etc. Der Ort ist wohl ein Kasernengelände, zumindest trägt er nicht zur Bildung eines Images positiv bei, eher wirkt er abgewrackt.

Die Dialoge – so man denn überhaupt davon sprechen will – sind platt. Schließt man daraus und aus der mangelnden Betonung auf die Intelligenz der Beteiligten, so muss man zum Schluß kommen, die porträtierten Personen seien unterbelichtet. Da dies wohl kaum im Sinne des Urhebers ist kann erneut nur von einer misslungenen Produktion ausgegangen werden.

Irgendwer hat wohl gedacht nach dem viralen Erfolg des ukrainischen Videos mit demselben Skript würde dies auch für Österreich funktionieren. Leider wirken die in der ukrainischen Werbung deutlich überzeichneteren Charaktere lustig, was aber für Österreich abgeschwächt wurde und dann nur noch fade und lächerlich daherkommt. Aller Witz und Ironie gehen dem Video ab. Dadurch, dass der Sexismus nur noch unterschwellig daher kommt wirkt er eher gewollt und nicht ironisiert. Sicher, das Video wird wohl ein viraler Erfolg, aber dann wohl zum Fremdschämen und Lachen, nicht als Anreiz zum Eintreten in die Armee. Gleichzeitig gilt aber auch: Würde jemanden dieser Spot begeistern, würde man ihn (dem Spot nach nicht sie) dann überhaupt haben wollen? Als Erfolgreich kann man den Spot wohl nur dann ansehen, wenn man davon ausgeht, dass es negative Werbung nicht gibt, und dass darüber Reden immer ein Erfolg ist. In diesem Sinne: Halten wir uns weiter den Bauch, auch wenn wir nicht sicher sind, ob es vom Lachen oder Übelkeit herrührt.

Der Protest (Sexismusvorwurf) hat immerhin dafür gesorgt, dass das Video aus dem Fernsehen abgesetzt wurde, aus dem Netz wird es nicht so schnell zu löschen sein. „Die Marketingabteilung des Bundesheeres verteidigt den Spot folgendermaßen: ‚Unser Clip ist so deppert, dass er schon wieder genial ist.‘ Die Akteure in dem Video sind ein Diskothekentürsteher und vier Hotelfachschülerinnen.“ (Quelle) Der Spot war also geklaut, mies umgesetzt und einem offiziellen Wertekanon nicht angemessen. Nur: Bei der Gruppe der 14-18 Jährigen als Zielgruppe und denjeniegen, denen Emanzipation nicht als wichtiger Wert erscheint kommt er wohl an (siehe Kommentare): „Man stelle sich mal vor, wieviele sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hätten, wenn die Werbung mit Dirlewanger und Bandenkampf geführt worden wäre….. Niemand hätte sich gemeldet, statt dessen dachte jeder er könne Hoch zu Roß in schwarzer Uniform den Mädels im Heimatdorf imponieren.
Der Werbefilm ist auch militärischer Sicht sehr gut und spricht auch die richtigen Kerle an. Der/ die Ritter in Rüstung kommen aus dem Nebel und retten die Prinzessin aus den Klauen des Bösewichts, nur eben heute mit modernen Mitteln aufgepeppt.
Kritik kommt ausschließlich aus der pazifistischen FEMI-ecke. Würde das österreichische Heer die Wahrheit bewerben (von Autobomben zerfetzte NATO-Söldner), dann würde von den heutigen feminisierten jungen Männern keiner auch nur den Gedanken an einen Wehrdienst verschwenden.“

Auch auf Bild.de ist man der Meinung: Kopie, Schlecht, Sexistisch. Andsers die Leser: Nicht sexistisch, witzig, gut gelungen, wirbt für Frauen als Panzerfahrer. „Die Kernaussage des Spots könnte man so zusammenfassen: Mädchen und Frauen können durch den Dienst in der österreichischen Armee die gesellschaftliche Minderbewertung der Frau überwinden.“ Da kann man mal sehen, der Sexismus wird abgewickelt (der Türsteher blitzt ab), die Soldaten sind gar nicht die Ritter und die Mädchen keine Prinzessinen, die vor dem Türsteher-Drachen gerettet werden sollen – Nein! Sie sind nur an einem handfesten Job (Spritztour in Kanonenrohrgröße) interessiert. Alles vollständig PC. Die Panzerfahrerin mit dem liebevoll als „Fick mich Stiefeln“ bezeichneten Schuhwerk, das ist die Wahre Gleichberechtigung. Jetzt wissen wir es endlich.

Übrigens hat sich auch die Tagesschau mit dem Fehltritt auseinandergesetzt. Diese urteilt, dass Soldatinnen gleich als „Kameraden“ behandelt würden (was dann wohl positiv ist, weil eben gleich, also als Mann) und real nicht als Groupies den Panzern hinterher rennen würden, sondern sie selbst fahren.

Der Werbeblogger ist übrigens auch der Meinung: Sexismus wäre nicht enthalten. Schließlich würde es ja darum gehen Frauen zu werben, und wer behaupte die würden nicht gerne dicke Dinger fahren würde nur die Umkehrung eines Klischees wieder reproduzieren (Ergo: Bitte fahrt alle sexistisch aufgeladene Autos?). Außerdem seien die Soldaten gar nicht so macho, sondern der Macho würde eben abblitzen. Mh, da hat der Werbeblogger wohl sehr unaufmerksam geschaut, weil all die kleinen Sexanspielungen im Video dann wohl übersehen wurden…

Übrigens – als Medien-Meta-Kommentar darf folgender Satz nicht fehlen, da er in allen Artikeln enthalten ist: „Dieser Schuss ging eher nach hinten los…“

Laufzeit 1:24 min, Hier ein Transkript des Videos des Österreichischen Heeres.

1. Schatten von Soldaten in der iPod Werbung Optik

a) Gewehr in Anschlag setzen

b) Gasmaske

c) Kind hochheben

d) Helm aufsetzen

e) Mit Rucksatz Gewehr in Anschlag bringen

2. Logo: Heer 4 U, wird größer

3. Köpfe, 1 Mann mit Glatze und Dreitagebart, 2 Frauen, schwarze Haare, moderne Frisuren, modisch aber nicht hochwertig. Obere Gesellschaftsschichten lassen sich aufgrund von weißer Jacke in Kombination mit Schal und Haarschnitt bzw. durch fehlenden Haarschnitt und T-Shirt-Aufdruck und Jacke ausschließen. Prominent in dieser Einstellung ist der Mann, dessen Glatze in der Sonne spiegelt. Die Frauen sind zu ihm hingewendet.

Das Bild ist eine Grafik der Sinus Milieus, einer Konsumenteneinordnung für Werbezwecke. Mir scheint die Charakterisierung der abgebildeten Personen vom Kleidungsstil her in diese Gruppe zu fallen. Vor allem auch kombiniert mit dem gezeigten Auto.

Im Hintergrund sehen wir weitere Personen sitzen, die allerdings schwer zu erkennen sind.

4. Hubschrauberperspektive auf das Auto, erst im Ausschnitt rauszommen und in der Totale mit der Gruppe. Der Ausschnitt vom Auto zeigt das Heck mit Motor, den man überhaupt nur sehen kann, weil er unter Glas liegt und nicht eine gewöhnliche Motorhaube besitzt. Es handelt sich augenscheinlich um einen Sportwagen.

In der Totale erkennt man, dass es sich bei der Gruppe um den Mann, zwei bereits im Bild gesehene Frauen und zwei weitere Frauen handelt. Der Kleidungsstil der beiden anderen Frauen ist ähnlich. Auffällig ist, dass sie alle Stiefel tragen, zwei braune, eine weiße und eine schwarze Stiefel. Die gesamte Gruppe ist um das Auto her ausgerichtet und sitzt in auf dem vorderen Ende. Der Mann sitzt breitbeinig in der Mitte, die Arme links und rechts jeweils um eine Mädchen gelegt. Die beiden anderen Mädchen sitzen etwas weiter hinten an das Auto gelehnt, in Positionen, welche für ein Fotoshooting attraktiv sein mögen und die Bedingungen von Pin-Up-Autokalendern erfüllen, aber unmöglich bequem sein können.

In dieser Einstellung kann man das Fabrikatslogo erkennen, es handelt sich bei dem Auto um einen Audi. Das Auto ist schwarz. Zudem erkennt man etwas Hintergrund: Bäume, See und Berge in einiger Entfernung. Das Auto steht auf einem sandigen Untergrund vor einem Haus mit Flachdach, es könnte sich um eine Lagerhalle handeln, was vor allem durch die Abwesenheit von Fenstern und durch die doppelflüglige Metalltür unterstützt wird. Direkt vor dem Haus sitzt eine weitere Gruppe, die aber nicht in Kontakt mit der gruppe am Auto zu stehen scheint. Sie haben einen Handwagen oder eine Sackkarre mit verschiedenen langen Gegenständen bei sich und sitzen auf Bierbänken und einem Klapptisch vor dem Haus. Es handelt sich um drei Personen.

5. In schneller Folge sehen wir nun mehrere Bildausschnitte in Nahaufnahme.

a) Es folgt ein Schnitt, wir sehen das Gesicht einer der Frauen in Nahaufnahme. Sie ist dabei zur Seite gewendet und die dem Zuschauer zugewendete Seite wird teilweise durch ihre Haare verdeckt. Der Haarschnitt ist angeschrägt und farblich vom Grundton her braun mit helleren und dunkleren brauen Strähnen. Schmuck ist nicht sichtbar. Sie wirft den Kopf zurück und dreht in dabei ein wenig. Die Geste wirkt selbstbewusst, könnte aber auch zum Haare ordnen dienen. Die Augen hat sie dabei geschlossen.

b) Scheinwerfer, eingeschaltet in Nahaufnahme, die Kamera wandert dabei über die Front des Autos.

c) Eine der Frauen, Nahaufnahme vom Dekolleté und zoomt noch dichter heran. Wir erkennen, dass die Jacke schwarz-weiß-braun gemustert ist und sie einen Schal mit Raubtierfellmuster trägt sowie ein schwarzes eng anliegendes einfaches Top. Ihr Kopf ist im Bildausschnitt nur teilweise sichtbar, bis zu den Lippen.

d) Schuhe und unterer Bereich des Autos, Kühler abwärts. Die Frauen und der Mann tragen Jeans, er trägt schwarze Lederschuhe. Die Scheinwerfer des Autos sind angeschaltet.

e) Draufsicht auf die Gruppe, der Mann im Zentrum des Bildausschnittes. Zwei der Mädchen sind neben ihm teilweise sichtbar. Die Kamera schwenkt und zommt heraus. Der Mann wendet dabei den Kopf nach oben und schaut in die Kamera. Er zieht die Lippen zusammen und nickt. Die Wirkung ist selbstgefällig, machohaft und bemüht cool.

f) Detailaufnahmen, weiße Stiefel auf silbern glänzenden Felgen abgestützt und Teil des Autos, insb. erneut der Scheinwerfer. Neben dem Scheinwerfer ist ein Aufdruck gclcar.com angebracht. Über die Internetseite dieses Autofachverkäufers ist nachvollziehbar, dass es sich bei dem im Video verwendeten Wagen um einen Audi R8 Coupé 4,2 quattro R tronic zu einem Gebrauchtpreis von knapp 120.000 Euro handelt. Das Auto ist „Daytongrau“ und hat einen Verbrauch von knapp 14 Litern/100km. Insbesondere durch die am Autounterhalb des Scheinwerfers angebrachten Gitter wirkt das Auto nicht nur sportlich, sondern aggressiv.

6. Erneut Schnitt und Wechsel auf das Gesicht des Mannes in Nahaufnahme. Er wendet den Kopf von links nach rechts und spricht mit österreichischem Dialekt, offenbar wohl zu der neben ihm sitzenden weiblichen Begleitung: „Na, Mädels, wollen wir eine Spritztour machen mit meinem flotten Flitzer, ha?“ Eine der Frauen lacht darauf hin. Es erhebt sich ein schwer zu differenzierender Sprechchor der Frauen, ebenfalls mit Dialekt, der grundsätzlich verneinend ist. „Na, weiß nicht.“ „Wir passen ohnehin nicht alle hinein.“ Dabei wechselt die Kamera auf die Gesichter der Frauen in Nahaufnahme.

7. Schnitt, künstlicher Nebel und etwas Erde darunter sich sichtbar. Aus dem Nebel kommt ein Panzer mit österreichischem Heeressymbol gefahren. Die Besatzung schaut aus den Gucklöchern heraus, die Waffe ist nach vorne gerichtet.

8. Kurzer Wechsel auf das erstaunte und fragende Gesicht des Mannes.

9. Schnitt zurück zum Panzer, der weiter aus dem Nebel heraus fährt und ganz sichtbar wird. Der Panzer ist zunächst frontal sichtbar und fährt dann seitlich dicht an der Kamera vorbei, wobei er hinter sich Erde aufwirbelt.

10. Schnitt zurück zur Gruppe auf dem Auto, die frontal sichtbar sind und alle mit offenem Mund dasitzen. Die Gesichter sollen wohl Beeindruckung symbolisieren.

11. Wechsel auf eine Perspektive hinter den Panzer, so dass der Zuschauer den Eindruck erhält selbst darin zu sitzen. Man sieht die Gruppe vor dem Haus. Das Haus ist nun komplett sichtbar und keine Lagerhalle, sondern zwar ein gewerblich genutztes Gebäude im Wohnhausstil in gelb gestrichen, aber angesichts der daneben stehenden Gerätschaften könnte es sich um ein Bootshaus handeln, was durch das dahinter liegende Gewässer gestützt wird. Neben dem Haus ist eine nicht zuordnenbare Flagge gehisst. Auf dem panzer erkennen wir zwei Soldaten in voller Montur.

12. Wechsel auf den Panzer von vorne, wir sehen in Nahaufnahme das Gesicht eines Soldaten mit Helm und Mikrofon. Der Soldat hat zunächst die Augen geschlossen, öffnet sie dann aber. Er trägt eine Brille.

13. Wir sehen den Steuermann von oben und schauen in die Luke hinein. Der Soldat ist nicht erkennbar, wir sehen nur, wie er den Panzer lenkt.

14. Nahaufnahme auf einen weiteren Soldat, der aus einer Luke hervorschaut. Auch er trägt Helm mit Mikrofon. Alle abgebildeten Personen sind jung, etwa 20-25 Jahre.

15. Wir sehen den Panzer von hinter dem Auto, wie er auf das Auto und die davor stehende Gruppe zurast. Im Hintergrund sind eine Mietskaserne und Bäume sichtbar. Links befindet sich ein Holzschuppen und daneben ein Sand- oder Kieshaufen.

16. Die Perspektive wechselt auf die Seite, wo wir den Panzer dem Auto näher kommen sehen und wieder zurück auf eine Position hinter dem Auto. Von der Seite erkennen wir, dass der Panzer bereits häufiger auf das Auto zugefahren sein muss, weil sich bereits Spuren auf dem Boden gebildet haben. Der Panzer kommt dicht vor dem Auto zum Stehen, wobei das Wackeln der scharfen Bremsbewegung deutlich wahrnehmbar ist.

17. Der Bildausschnitt wechselt auf den Turm des Panzers, aus dem nun ein Soldat mit Barett hervorsteigt und nach vorne in Richtung Auto schaut. Bevor er sich ganz aufgerichtet hat spricht er: „Na Mädels,“ und springt, die Hand in Nahaufnahme an der Kanone abgestützt, vom Panzer. „Lust auf eine Spritztour“, setzt er seinen Satz fort und wird nun als Close-up des Gesichtes gezeigt.

18. Man hört bejahendes Gejubel der Frauen und sieht diese gemeinsam ohne den Mann vor Freude springen und auf den Panzer zulaufen.

19. Wechsel zurück auf den Soldaten mit Barett. „Kommt zum Bundesheer, da könnt ihr Panzer fahren.“ In der Satzmitte kurze Großaufnahme eines freudig lachenden Frauengesichtes aus der gruppe um das Auto.

20. Wechsel auf einen Soldaten auf dem Panzer mit Helm. Er gibt Befehle in normalem Sprechton: „Aufsitzen, Motor anwerfen.“ Der Soldat mit Barett steigt erneut dynamisch in den Panzer.

21. Man sieht den Panzer drehen und wegfahren.

22. Der Mann ist alleine am Auto und öffnet eine Tür. Er öffnet die Arme und schreit: „Was wird denn jetzt mit der Spritztour?“

23. Man sieht die Frauen hinter dem Panzer herrennen und eine dreht sich um. „Verigß es, ich will mit [unverständlich] fahren.“ Man hört laut das Motorengeräusch des Panzers. Die Frauen laufen weiter dem Panzer hinterher. Dieser dreht in Richtung auf eine weitere Gruppe gelber Baracken. Die Frau mit weißen Stiefeln und weißer Jacke zieht sich beim Laufen die Hose hoch. Alle laufen sehr mädchenhaft, indem sie nicht wirklich rennen, sondern eher trippeln und dabei dir Arme nach oben angewinkelt haben.

24. Stimme aus dem Off: „Das Österreichische Bundesheer bietet einmalige Chancen [Wechsel von den laufenden Frauen auf den Panzer mit im Fahrtwind wehender Flagge in Seitenaufnahme] für die Jugend ab 18, denn alles andere ist Alltag.“

25. Cremefarbener Hintergrund mit orangenem Logo „Heer 4 U“.

26. Einblendung von Kontaktdaten.

Musik: Schnelle, elektronische Musik mit deutlich hervorgehobenen Bass, die Kameraschnitte durch „Schwusch“ Geräusche unterstützt und damit die ohnehin schon sehr schnellen Bildwechsel noch dynamischer und energetischer werden lässt.

Zum Vergleich: Das Originalvideo aus der Ukraine

Es fällt auf, dass dabei alles etwas deutlicher, überzeichneter und dynamischer ist. Die Soldaten sind cooler, männlicher, besser gekleidet, die Frauen in ihrer Kleidung sexueller aufgeladen, der Mann sieht unattraktiver und noch mehr nach Zuhälter aus, der Soldat, der vom Panzer herabsteigt umstreicht dabei das Kanonenrohr, es gibt mehr Nebel, usw.

Als Kontrast der schwedische Hilfs- und Sportverein „Armee“, in dem übrigens auch Frauen Panzer fahren dürfen.

Und wie siehts Zuhause aus? Das beantwortet und die Bundeswehr:

Hier sehen wir vor allem Taucher, U-Boote, Fallschirmspringer und Feldjäger. Mit Kampf hat das ganze nichts zu tun. Und Bomber sind auch so entfremdet, dass sie durch einen blütenweißen Himmel dahinsausen und eher eine Flugshow als einen kampfeinsatz durchführen. Krieg ist in Deutschland steril, mit Toten und Benzintanklastern hat das nichts zu tun.

Schweden noch einmal kontrastiert mit einem Rekruitingvideo aus den USA, „For Honour, For Courage, For Country, The Few, The Proud, Marines.com“

Bei den Marines steht in der Galauniform völlig PC immer ein Afroamerikaner im Vordergrund und beim Hindernislauf darf eine Frau mitmachen. Ansonsten sehen wir Trainingsszenen, Falschirmsprünge, Seemanöver und alles was sonst noch cool und ungefährlich ist. Untermalt wird das ganze mit klassischer, pathosgeladener Musik.

Daraufhin kommen die Schweden. Man sieht einen Mann in einen Fahrstuhl einsteigen und dann dessen Mechanik sich bewegen. Wechsel zu einem sich ebenfalls bewegenden Panzerturm, wobei das Geräusch gleich bleibt. man sieht den Panzer an Häusern vorbei schießen, deren Fenster blind sind. Szenenwechsel, ein kleiner Junge schaut einem Automechaniker zu, der gerade einen Reifen an ein Auto anschraubt. Das Schrauben wird zu einer Maschinengewehrsalve, wir sehen eine Reihe von dunkelhäutigeren Menschen unter dem Feuer fliehen und teilweise getroffen zusammenbrechen. Es gibt Explosionen in Menschenmengen. Das Feuer füllt den gesamten Sichtbereich aus. Überblendung des Geräusches und des Bildes in Regen, eine Frau verlässt mit Regenschirm ein Gebäude und duckt sich vor dem Regen wie vormals die Menschen vor dem Granatfeuer. Sie läuft schnellen Schrittes über die Straße, dann sehen wir Polizisten oder Soldaten im Laufschritt eine Straße entlang eilen, die von Rauchschwaden überzogen wird. Wechsel zu zwei Nordic Walkern, die in einem Wohngebiet laufen. Die Alarmanalage eines abgestellten PKWs geht los. Wechsel zu einem gleichen Geräusch, der Bildhintergrund wird zu einer Reihe Personen mit brennenden PKWs im Hintergrund. Offenbare Verzweiflung in deren Gesten. Wir sehen verletzte Personen am Boden. Erneuter Wechsel zu Feuerwerk am Nachthimmel und feiernden Menschen auf einem Balkon. Übergang zu granatfeuer über einer Stadt. Einblendung darüber auf rotem Grund: „Everybody’s Everyday ist not like ours“. „Sign up for Nordic Battlegroup“.

Noch ein letzter aus den USA, für das Heer, also den Teil der Armee mit dem geringsten Ansehen. „There is strong. And there is Army strong.“

Und etwas Realität

NYTimes, Berichte von Soldatinnen aus dem IRAK, Eingeordnet unter Education, NYTimes Artikel zur Rolle der Soldatinnen im Krieg in Irak und Afghanistan

Vielen Dank übrigens für die Hinweise auf die Videos an S. aus W.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Kampagne, Kulturwissenschaft, Medien, Politik

2 Antworten zu “We want you for Bundesheer

  1. Nein, die Sexismen sind mir natürlich nicht entgangen :-), die hatte ich in den beiden Formulierungen „abgesehen natürlich von vererbten Residuen aus dem Spot für die ukrainische Armee“ und „wenn sie nicht gerade am Rohr herumspielen“ kurz und bündig abgehakt, weil ich die sexistischen Inhalte des Ursprungsspots bereits in einem älteren Blogpost aufs Korn genommen hatte und ich mich in diesem Beitrag nur für die überschreibende Schicht dieses filmischen „Palimpsests“ interessierte, nicht für die überschriebene. Außerdem, „Macho“ und „sexualisiert“ sind nicht prinzipiell identisch mit „sexistisch“, und der Spot ist in Text und Subtext insgesamt so konfus geraten und bescheuert, daß selbst die Grenze zwischen Satire und Realsatire verwischt (falls es hier eine solche gibt).

    Nebenbei, Deine Analyse und akribische (akademische?) Art zu arbeiten gefällt mir, völlig unabhängig davon, welchen Punkten ich zustimmen würde und welchen nicht!

    LiGr,
    J.

    • arkaden

      danke für die antwort. übrigens: ja, doch akademisch verkopft. Konfus ist wirklich treffend. Man könnte sehr lange sich widersprechende Bedeutungsebenen auseinanderbuchstabieren.

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