Not in our name!

Hamburg als Marke? Ein Aufruf gegen die fortschreitende Gentrifizierung der Stadt. Hier Unterzeichnen.

Das Tollste am Aufruf ist eigentlich wie hier gegen die kreative Klasse gewettert wird (R. Florida), die aber dann als Marke, als Einheitskultur verstanden wird. Dann unterzeichnen viele, die eine bunte, „natürliche“, „authentische“ Stadt wollen. Wenn man dann die Berufe liest: Alles creative class! Rocker, Musiker, Theaterleute, Schwule (nein, die haben in dieser Liste nichts zu suchen, tauchen aber im Aufruf auf), Markenmanager, Werber, Wissenschaftler, Studierende. Man kann sich ja über die prekären Arbeitsverhältnisse in diesem Bereich beschweren – aber genau das ist die kreative Klasse. Eine Klasse! Kein Milieu! Das bitte dann doch mal auf der Zunge zergehen lassen. Liebe Leute, die Gentrifizierung kommt später! Auch wenn einige von euch noch in den St. Pauli Mietskasernen wohnen: Ihr seid schuld. Unterzeichnen hin oder her. Ihr kauft in den kleinen Kleiderläden, den Designshops, geht in den hippen Apple-ist-Pflicht-Cafés Latte trinken. Ciao Schanze.

Marke macht aber etwas anderes. Marke geht es um eine kohärente Kommunikation. Mach‘ das mal mit einer kreativen Klasse, meine Güte sind die mit ihrer eigenen Stimme anstrengend. Die einheitliche Kommunikation entlang aller Berührungspunkte (K. Schmidt). Branding ist „Inclusive“ (ebd.) und wer Hamburger ist wird in die Marke eingeschlossen. Integrative Marketingkommunikation (J. Kliatchko) ist eben integrativ, sie versucht eine einheitliche Identität zu kreieren – unter Ausschluß der Anderen. Ihr/Wir entsteht. Sehr schön zu sehen in den Analysen der Cultural Studies, die sich genau mit diesen Identitätsproblemen als politischen Konflikt auseinandergesetzt haben. Die Kommodifizierung des Wissens fordert ihre Opfer (vgl. K. Polanyi), wenig erstaunlich, dass die Wissensarbeiter als kreative Klasse die alte Arbeiterklasse verdrängt.

Soviel zum Hintergrund. Ein wenig konnte ich es nicht sein lassen die Gängeviertel Künstler mit ihrem Markenslogan „Kommt in die Gänge!“ zu gängeln.

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Eingeordnet unter Beobachtung, Hamburg, Kampagne, Marke, Medien, Politik

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