cultural engineering

In der Fusion von Betriebswirtschaftslehre und cultural engineering wird eine besonders raffinierte Strategie entdeckt, Kultur für die unternehmerische Gewinnmaximierung zu instrumentalisieren, um via Sinn zum Gewinn zu gelangen. Im Visier der Kritik sind dabei vor allem die Ansätze eines Symbolischen Managements, das es darauf abgelegt hat, eine transparente Mitarbeiterkommunikation durch mythmaking zu ersetzen, das  das Unternehmen nach dem Modell einer tribalistischen Gemeinschaft integrieren soll, mit gemeinsamen Symbolen, Ritualen, Erkennungszeichen und emotionalen Markern. Dieser Versuch, aus Mitarbeitern <Eingeborene> eines <Stammes> zu machen, geht dabei weit über das hinaus, was die Rede von der <Stammarbeiterschaft> die schon im 19. Jahrhundert Hochkonjunktur hatte, anstrebte: Das Konzept substituiert vielmehr systematisch rationale Informationspolitik durch manipulative Sinnvermittlung.

Aus: Tanner, Jakob: Kultur am Point of Sale – Wirtschaft im Cultural Turn. in: Kulturstiftung des Bundes (pp. 6f.), Juli 2007.

Nachtrag: So eine kleine Notiz an die ich mich erinnerte, als ich überlegte was man Cultural Engineering – als Name und anscheinend ohne Bezug zum Studiengang – wohl als Professionalitätskonzept vorwerfen könnte. Etwas das so schön polemisch ist, dass man gut dagegen Stellung beziehen kann, z.B. zur etwas absurden Ansicht Mythen in Organisationskommunikation würden erst durch deren bewusste Gestaltung etwa mittels Storytelling auftreten und wären vorher nicht gegeben gewesen. Das lässt sich sehr leicht als mythische Rationalisierung entlarven. Oder auch die Ansicht Kultur sei etwas, das im Namen der Normen hochzuhalten sei (dann aber doch die Frage: was? Sind nur Jazz und Klassik, also Hochkultur, Kultur?). Lehnt man dies ab, betrachtet man im Sinne der Cultural Studies Kultur als einen ‘whole way of life‘, so lässt sich die Behauptung Kultur als bedeutungsmaschine zu Ökonomisieren wohl kaum aufrecht zu erhalten, weil man dafür Kultur gegen Wirtschaft stellen muss. Dieser zuerst aufgemachte Gegensatz (Hilfe! Wirtschaft zerstört authentische Kultur!) wirkt um so lächerlicher, als dass hinterher sofort offenbar wird, dass Wirtschaftsunternehmen eben auch über Mythen gestaltbare Kultur besitzen, ein mehr an Verquickung also nichts ist was es zu fürchten gälte. Wer Angst hat vor Sinn als Argument für Verkauf, der muss dann subkulturelle ebenso wie Massenware ablehnen. Ohnehin: Was soll das sein, ein von Sinn befreites Produkt? Es wäre sinnlos. Nun könnte man es trotzdem kaufen (täte das aber nicht), schließlich ist Geld exakt das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium, welches von speziellem Sinn abstrahierten Handel ermöglicht.

(Anm.: Der Artikel wurde ohne Kommentar bereits zuvor am 6.6.09 online gestellt.)

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Eingeordnet unter Cultural Engineering, Doktorand, Kulturwissenschaft, Magdeburg, Marke, Medien, Otto-von-Guericke-Universität

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