Berlin-Brandenburg

Und etwas über die Seelenverfassung des Berliners: Link

Zitate:

„Für die Deutschen ist Bionade als Soft Drink gerade erste Wahl. Im Prinzip ist das sogar der einzige Soft Drink, den man sicher in der Öffentlichkeit trinken kann, ohne dabei zu riskieren, für einen Ausländer des falschen Typs gehalten zu werden. Man muss wissen, für die Deutschen ist Bionade nicht einfach eine Möglichkeit, den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen, sondern eine Formel, die die drei Lieblingsideologien der Deutschen (Anti-Amerikanismus, Umweltbewusstsein und Globalisierungskritik) in eine retrodesignte, wiederverwertbare Flasche packt. Dabei gesehen zu werden, wie man Bionade trinkt, während man vor einer coolen Bar in, sagen wir, Prenzlauer Berg sitzt, ist ein allgemein akzeptiertes Lebensziel in Deutschland.“

Mit den Deutschen verhalte es sich nämlich so, dass sie das Auto zwar erfunden haben und es bis heute in alle Welt verkaufen, trotzdem gebe es unter Deutschen nur eine einzige Möglichkeit, sich gegenüber Autos zu positionieren: Die entschiedene Aversion. „Das ist vor allem dann wahr, wenn man ein Date hat. Deine zukünftige Freundin/deinen zukünftigen Freund mit einem Auto abzuholen, lässt dich wie die langweiligste, spießigste Person auf der Erde aussehen und weckt bei ihnen Erinnerungen an ihre übereifrigen Väter. Statt die Zeit bis zum Sex zu verkürzen, wie das in ungefähr jedem anderen Land der Fall ist, wird der Besitz eines Autos in Deutschland dein Sexleben endgültig ruinieren.“

„Ich schätze, Ausländer fallen nicht so leicht auf die Hypes rein, die von der Mitte-Meute erzeugt werden. Sie sehen das wirklich Besondere an Berlin und verschwenden nicht so viel Energie darauf, durchzudrehen, wenn ein American-Apparel-Laden in der Neuen Schönhauser aufmacht. Diese unübersichtliche Hipness-Hierarchie, die in Berlin immer so bestaunt wird, ist genau dieselbe, die man in New-York-Williamsburg oder London-Shoreditch oder jeder anderen größeren Stadt der westlichen Welt findet. Der Mangel an Reflektion ist überall gleich, nur die Accessoires unterscheiden sich. Wenn du zum Beispiel in Brooklyn hip sein möchtest, musst du Pabst-Blue-Ribbon-Bier trinken, was furchtbar schmeckt. In Berlin ist es eben Bionade. Oder wenn du zeigen willst, dass du ein entrückter, intellektueller Künstler bist, würdest du in Williamsburg eine Nerd-Brille und einen Filzhut tragen, in Berlin gibt es dafür den Bart-Schal-Chucks-Look. Meine Inspiration sind vor allem die Unterschiede, die ich zwischen meinen Kollegen und meinen Freunden feststelle. Die Leute aus meiner Firma sind Mitte Dreißig, ziehen Kinder groß und haben einen guten Job. Meine Freunde finden das zu begrenzt und wollen frei und kreativ sein und dabei merken sie nicht, dass sie in genau so einem streng-hierarchischen System festhängen. Nur dass das vollkommen widersprüchlich ist und keine nachvollziehbaren Regeln hat.“

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Eingeordnet unter Beobachtung, Berlin, Medien, Trendforschung, Vorurteile

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