Zur Krise: Talfahrt oder Rückschritt kultivieren?

Situation:

Lineare Extrapolation, unübersichtliche Systemzusammenhänge und es kommt zum Zusammenbruch, erst beim Häusermarkt und der -finanzierung und dann bei den Banken, später bei Krediten, Aufträgen und zur massiven Verschuldung von Staaten (grafische Übersicht, gesehen bei Fabian).

Szenario 1:

Angesichts der Krise stellt sich die Frage wie es weitergeht. Weiter bergab? Bergab ist ja ein schönes Sinnbild, weil man dann sicher sein kann, dass es wieder bergauf geht. Mit Till Eulenspiegel Logik können wir uns also gerade freuen, weil es demnächst wieder besser wird. Typischer Zyklus Gedanke nach Kondratieff: Ökonomie in Wellenkurven von Auf und Ab. Dann muss man sich nur vorübergehend Sorgen machen, weil in spätestens 5, 6 Jahren wieder alles beim Alten ist. Wahrscheinlich ist dann die Autoindustrie endgültig aus dem Westen weg, weil die zur letzten Zykluswelle gehört. Darüber was kommt gehen die Meinungen auseinander. Entweder Biotech/Medizin oder Kreative Klasse (z.B. Nefiodow, 1997).

Szenario 2:

Anders erscheint die Entwicklung aus der Perspektive von Malthus oder Marx. Malthus hat die These entwickelt, dass nach einem Aufstieg zwangsläufig der katastrophale Crash kommt. Das passt zu Meadows Analyse der „Grenzen des Wachstums“. Marx sah das dialektisch und fand, dass das kapitalistische Steigerungsspiel bereits den eigenen Untergang in sich trägt. Hier wäre die Idee der eines kompletten Systemkollaps. In diesem Szenario müssten wir uns darauf einstellen, dass Rückschritt und nicht mehr nur ständige Steigerung Teil unserer Kultur werden.

Szenario 3:

Gerhard Schulze hat 2003 mit „Die beste aller Welten“ eine interessante Analyse des Steigerungsspiels der Moderne verfasst. Darin beschreibt er die historische Qualität des modernen Steigerungsspiels als Verknüpfung und gesellschaftlicher Integration nahezu aller Akteure. Neben dieser Handlungslogik entwirft er eine zweite, welche an Bedeutung zunimmt: Ankunft. In dem Zusammenhang ist es interessant, was an nötigen Veränderungen (jedesmal) nach ökonomische Krisen debattiert wird: Zeit für eine Bad Ideas Bank (FTD-Artikel). Den Glauben an die Selbstheilungskräfte des Marktes hat die Krise erschüttert. Überzeugt bin ich noch nicht, dass sich nach neoliberaler Regierungsrationalität jetzt eine neue Logik entwickeln soll, die zur Alten hinzutritt.

Am Ende keine Trendprognose für ein Szenario, sondern nur das Stehen lassen verschiedener Entwicklungspfade. Jemand Belge oder Präferenzen für einen der Wege?

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Eingeordnet unter Innovation, Politik, Trendforschung

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