Was Jens Jessen stört: Obama und die Hand in der Hosentasche

Im Zeit Magazin 6/2009 stört sich Herr Jessen an der Hand in der Hosentasche bei reden, weil er es als respektlos empfindet. Obama, Schröder, Berlusconi und Sarkozy hätten keinen Respekt vor ihren Zuhörern (den Parlamenten), wenn sie mit Hand in der Hosentasche reden halten würden, so Jessen. Jessen schwankt zwischen den Deutungen der Lässigkeit und der Respektlosigkeit dieser Haltung. Jessen empfindet die Geste als mangelde Selbstbeherrschung, die nicht Volkstümlichkeit ausdrückt, sondern mangelnden Respekt. Richtig wäre es demnach den Bürgern gegenüber auch bürgerliche Höflichkeit an den Tag zu legen. Hier irrt Herr Jessen. Der politische Bürger sollte getrennt werden vom Staatsbürger. Vielleicht hat Herr Jessen es ja vergessen, aber Bürger sind nicht nur im Bürgertum und bürgerlicher Habitus ist für die Mehrheit des Volkes eine skurrile Subkultur. Das französische kann das mit citoyen und XXXX gut differenzieren. Soweit ist die gesellschaftliche Differenzierung schon fortgeschritten.
Überhaupt ist die Einordnung des Zeichens deshalb sehr voreilig, weil die Deutung so lediglich innerhalb der Hochkultur vorgenommen wird. Die Hand in der Hosentasche ist für viele kein Zeichen besonderer Bedeutung, geschweige denn eines mangelnden Respekts. Das ist es allerdings für diejenigen, die nur aus konventioniertem und etikettiertem Verhalten Selbstbestätigung ziehen können. Sicherlich kann man darüber übereinstimmen, dass auch ein lässiges, entspanntes Gespräch mit voller Wertschätzung und Aufmerksamkeit des Gegenübers geführt werden kann. Gespräche unter Freunden neigen beispielsweise dazu. Was ihnen fehlt ist die Förmlichkeit, nicht der Respekt.
Zudem scheint es bei Machtmenschen wie Sarkozy und Berlusconi doch unwahrscheinlich, dass sie sich bei irgendwem anbiedern wollen. Aber eine entspannte Haltung Obamas vor der versammelten Politik, bei der er angetreten ist verkrustete Strukturen aufzubrechen, das sollte skeptisch machen. Fühlt er sich in diesen Strukturen so heimisch, dass er entspannen kann?

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Eingeordnet unter Amerika, Medien, Politik

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