In der Schweiz habe ich einen Besuch bei Brainstore gemacht und in Funktion eines Betroffenen an einem Ideenworkshop teilgenommen. Gerade im Vergleich zu den Erfahrungen bei Zephram in Magdeburg und bei Atizo in Bern war der Besuch sehr interessant. Was können die Leute von Brainstore nun besser? Immerhin sind sie deutlich teurer als ihre Konkurrenten. Die Antwort ist einfach: Inszenierung.
Gleich in der Eingangshalle findet der Teilnehmer mehrere neue iMacs, Fahrräder, Snacks, Getränke, Gimix und eine mit Rauch gefüllte gusseiserne Badewanne rund um einen Counter. Die Einrichtung war am gesamten Workshop das beste. Zunächst hatten es mir ganzen Merchandiseartikel angetan. Es gab eine Schallplatte mit Musik für Kreativworkshops, Aufkleber, Vorlagen zur Ideenbewertungen, It‘s possible Banner, Trendscoutüberraschungstüten, Tuschkästen, Knetmasse, Bastelsets, T-Shirts, usw. usf. Alles im der Hausfarbe knallgelb.
Der Workshop und seine Ergebnisse waren eher enttäuschend. Ich hatte mehr erwartet als ich von Zephram und meinen eigenen Versuchen gewöhnt war. Das wurde nicht geliefert. Die Methoden und die Reibungslosigkeit des Ablaufs waren gut. Sie hatten ThinkPads für alle Teilnehmer zur Ideenerfassung und fertig geschnittene Magazine eingeschweißt gemeinsam mit Stift und Notizblättern für Collagenarbeit. Aber insgesamt war es übercomputerisiert, auch wo keine Computer eingesetzt wurden. Es war eine Ideenmaschine. Es fehlte die Seele, die Inspiration, Genialität, Kreativität. Was deutlich zu kurz kam war die gegenseitige Anregung. Meiner Erfahrung nach sind aber gerade Kombination und Weiterentwicklung zentrale Schritte. Für mich blieben die entstandenen Ideen zu farblos, bemüht cool oder komplett absurd. Zumindest zu weit vom guten Umsetzungsvorschlag entfernt. Ich hoffe die Auftraggeber sahen das anders. Ich bin sicher es war teuer.
Mein Problem ist, dass man über Inszenierung und Preis auch Erwartungen steuert und ich mich inzwischen klar frage, ob Brainstore diese Erwartungen nicht systematisch enttäuscht und den Markt abgräbt und nur verbrannte Erde hinterlässt. Für mich hatten die Ideen und der Workshop den Charakter von Motivationsveranstaltungen für die Mitarbeiter, die hinterher Ideenschlangen für das Büro produzieren – nicht Innovationen.
8.02.2009...15:52
Besuch bei Brainstore
Zu den Kommentaren

2 Kommentare
2.03.2009 um 23:58
Habe gerade in meinen Statistiken gesehen, dass dieser Artikel verlinkt wurde – und zwar von mail.brainstore.com. Interessant. Würde mich glatt auch interessieren, was die Leute von brainstore selbst darüber denken…
3.03.2009 um 00:06
Noch viel besser! Der brainstore Gründer hats auch in seinem Emailkasten. Dass man das mit einer einfachen Blogauswertung herausfinden kann! Brainstore: Microsoft Web-Outlook abschaffen. (-: Naja, wer bloggt muss sich auch nicht über Privatsspähre beschweren…
Übrigens: Im Forum von Zehram ist der Artikel auch verlinkt. Er ist auch noch der meistgelesene Artikel meines Blogs. Dabei ist er ehrlich gesagt nicht besonders toll.